Matcha im Café: Konkurrenz für Kaffee?

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2025 machte Matcha bei Blank Street Coffee 50 % des Umsatzes aus. Wie der japanische Tee zur Café-Mainstream-Konkurrenz für Kaffee wurde.

Das grüne Pulver erobert die Kaffeebar

2025 passierte etwas, das vor fünf Jahren undenkbar schien: In immer mehr Cafés bestellten Kunden Matcha statt Cappuccino. Bei der US-Kette Blank Street Coffee machte Matcha bereits 50 % des Gesamtumsatzes aus. Black Sheep Coffee in Großbritannien meldete einen Anstieg von +315 % bei Matcha-basierten Getränken gegenüber dem Vorjahr.

Was passiert hier? Wird Matcha den Kaffee verdrängen? Spoiler: Nein. Aber die Dynamik zeigt, wie sich Café-Kultur verändert – und warum smarte Kaffeeröster und Café-Betreiber Matcha nicht ignorieren sollten.

Matcha in 60 Sekunden

Für alle, die beim Thema noch Nachholbedarf haben: Matcha ist fein gemahlener japanischer Grüntee (Tencha-Blätter), der komplett aufgelöst und mitgetrunken wird – nicht nur aufgegossen. Das bedeutet:

  • Mehr Koffein als normaler Grüntee (ca. 60–70 mg pro Portion vs. 25–50 mg)
  • L-Theanin: Aminosäure, die beruhigend wirkt und das Koffein-High glättet
  • Antioxidantien: Durch den Verzehr des ganzen Blattes deutlich mehr als bei aufgebrühtem Tee
  • Umami-Geschmack: Süßlich-herb, grasig, mit nussigen Noten

Der Effekt: Wacher werden, aber ohne den Koffein-Crash. Viele beschreiben es als „ruhige Energie“ vs. dem „Nervositäts-Kick“ von Espresso.

Warum 2025 das Matcha-Jahr war

Die Preiskrise als Katalysator

Rekord-Kaffeepreise 2025 zwangen Cafés zur Diversifikation. Wenn die Marge auf Espresso-Drinks schrumpft, braucht es Alternativen. Matcha bietet:

  • Höhere Margen (ein Kilo ceremonial-grade Matcha kostet ähnlich wie Specialty-Kaffee, reicht aber für mehr Portionen)
  • Weniger Equipment-Abhängigkeit (kein Siebträger, keine Mühle – nur ein Chasen/Aufschäumer)
  • Breitere Zielgruppe (auch Nicht-Kaffeetrinker kommen ins Café)

Gen Z und die „Wellness-Welle“

Für die Generation Z (geboren 1997–2012) ist Matcha nicht einfach ein Getränk – es ist ein Lifestyle-Statement:

  • „Clean Energy“ statt Koffein-Jitter
  • Fotogenes Grün auf Instagram und TikTok
  • Assoziation mit Japan, Achtsamkeit, Wellness
  • Weniger Abhängigkeitspotenzial als Kaffee (subjektiv empfunden)

Café-Ketten als Trendbeschleuniger

Blank Street Coffee, gegründet 2020, positionierte sich von Anfang an als „Café für Leute, die nicht nur Kaffee trinken“. Ihr Matcha-Sortiment umfasst 2025 mehr Varianten als ihr Kaffee-Menü. Andere folgten:

  • Black Sheep Coffee (UK): Matcha-Linie mit +315 % Wachstum
  • Starbucks: Matcha Latte seit Jahren auf der Karte, 2025 mit neuen Varianten
  • Pret A Manger: Matcha-Optionen in allen Filialen
  • Lokale Specialty-Cafés: Immer häufiger eigene Matcha-Sourcing-Programme

Matcha vs. Kaffee: Der Vergleich

Matcha Espresso
Koffein/Portion 60–70 mg 60–80 mg
Wirkdauer 4–6 Stunden (langsam) 2–4 Stunden (schnell)
L-Theanin Ja (beruhigend) Nein
Kalorien (pur) 5 kcal 2 kcal
Zubereitung 30 Sek. (aufschlagen) 25–30 Sek. (Extraktion)
Equipment (min.) Chasen + Schale Siebträger + Mühle
Preis/Portion (Premium) 1,50–3,00 € 0,80–1,50 €
Geschmack Umami, süßlich, grasig Bitter, säuerlich, komplex

Weder besser noch schlechter – aber anders. Und genau das ist der Punkt: Matcha ergänzt Kaffee, statt ihn zu ersetzen.

Was Matcha-Qualität ausmacht

Nicht jeder grüne Latte im Café ist gleich. Die Qualitätsunterschiede bei Matcha sind enorm:

Ceremonial Grade vs. Culinary Grade

  • Ceremonial Grade: Erste Ernte, jüngste Blätter, intensiv grün, umami-süß. Für pur oder mit wenig Milch.
  • Culinary/Cooking Grade: Spätere Ernte, bitterer, matter. Für Smoothies, Backen, Drinks mit viel Milch.

Worauf gute Cafés achten

  • Herkunft: Uji (Kyoto), Nishio (Aichi), Kagoshima – die drei Hauptregionen
  • Farbe: Je leuchtender grün, desto frischer und hochwertiger
  • Mahlung: Steinmahlung (langsam, kalt) vs. industrielle Mahlung (schnell, erwärmt)
  • Lagerung: Lichtgeschützt, kühl, in kleinen Portionen – Matcha oxidiert schnell

Das Problem mit „Matcha Latte“ im Mainstream

Viele Ketten verwenden vorgemischte Matcha-Pulver mit Zucker und Milchpulver. Das ist geschmacklich und gesundheitlich nicht vergleichbar mit reinem Matcha + frisch aufgeschäumter Milch. Wer Matcha ernst nimmt, fragt nach:

  • 100 % reinem Matcha (kein Pre-Mix)
  • Herkunft und Grade
  • Frische (Packung geöffnet seit wann?)

Matcha-Drinks, die 2025 im Trend lagen

Iced Matcha Latte (Klassiker)

Matcha + kalte Hafermilch + Eis. Einfach, erfrischend, funktioniert immer.

Matcha Espresso Fusion

Ein Shot Espresso + Matcha + Hafermilch + Eis. Klingt wild, schmeckt aber überraschend gut: Die Bitterkeit beider Getränke verbindet sich, die Milch glättet. Auch „Dirty Matcha“ genannt.

Strawberry Matcha

Erdbeerpüree auf dem Boden, Milch, Eis, Matcha obendrauf. Pink-grüne Schichtung – der Instagram-Hit 2025.

Matcha Tonic

Matcha + Tonic Water + Eis. Ähnlich wie Espresso Tonic, aber herber und ohne Säure. Erfrischend an heißen Tagen.

Yuzu Matcha

Japanischer Yuzu-Saft + Matcha + Sodawasser. Zitrus trifft Umami – ein Getränk, das nach Sommer in Kyoto schmeckt.

Was das für die Kaffeebranche bedeutet

Keine Bedrohung, sondern Chance

Matcha verdrängt keinen Kaffeetrinker. Die Daten zeigen: Matcha-Käufer sind oft zusätzliche Besucher, die vorher nicht ins Café kamen – oder bestehende Kunden, die nachmittags eine Koffein-Alternative suchen.

Für Café-Betreiber bedeutet das:

  • Mehr Umsatz pro Kunde (morgens Espresso, nachmittags Matcha)
  • Breitere Zielgruppe (Nicht-Kaffeetrinker mitbringen)
  • Höhere Durchschnittsbons (Matcha-Drinks sind meist teurer)

Qualität als Differenzierung

Wie bei Kaffee trennt sich auch bei Matcha die Spreu vom Weizen. Cafés, die ceremonial-grade Matcha aus Japan beziehen und sauber zubereiten, heben sich ab von Ketten, die grünen Zucker-Mix verkaufen. Die Parallele zu Third-Wave-Coffee ist offensichtlich.

Matcha als Einstiegsdroge

Viele junge Kunden kommen wegen Matcha ins Café – und probieren später einen Flat White oder Cortado. Die Hemmschwelle sinkt, wenn man den Laden bereits kennt.

Matcha zuhause: Lohnt es sich?

Kurze Antwort: Ja, wenn du in vernünftiges Pulver investierst. Das Basis-Setup:

  • Matcha-Pulver (ceremonial grade): 25–40 € für 30 g (≈ 15 Portionen)
  • Chasen (Bambusbesen): 10–20 €
  • Chawan (Matcha-Schale): Optional, jede breite Schale funktioniert
  • Matcha-Sieb: Zum Klumpen-Vermeiden, 5 €

Alternativ: Ein elektrischer Milchaufschäumer (den du wahrscheinlich bereits besitzt) tut es für den Alltag auch.

Kostenpunkt pro Tasse: Ca. 1,50–2,50 € bei ceremonial grade. Vergleichbar mit einem Single-Origin-Espresso zuhause.

Wird Matcha Kaffee ersetzen?

Nein. Und das muss es auch nicht.

Kaffee hat eine 500-jährige Geschichte in Europa, ist tief in der Kultur verankert und bietet eine geschmackliche Komplexität, die Matcha nicht replizieren kann (und will). Aber Matcha wird Kaffee ergänzen – als nachmittägliche Alternative, als sanfterer Start, als kreativer Mix-Partner.

Die Zukunft des Cafés ist nicht Kaffee oder Matcha – sondern Kaffee und Matcha. Und für uns als Kaffeemenschen ist das eine gute Nachricht: Es bringt neue Menschen in Cafés, erweitert das Getränkespektrum und sorgt für kreative Fusion-Drinks.

Fazit: Matcha ist gekommen, um zu bleiben

Der Matcha-Boom 2025 war kein kurzfristiger TikTok-Hype, sondern eine strukturelle Verschiebung in der Café-Kultur. Die Kombination aus Gesundheitsbewusstsein, Gen-Z-Ästhetik und wirtschaftlichem Druck auf Cafés hat Matcha einen festen Platz neben dem Kaffee verschafft.

Für Kaffeeliebhaber die Empfehlung: Probier es aus. Nicht als Ersatz für deinen morgendlichen Espresso, sondern als Ergänzung. Nachmittags um 15 Uhr, wenn du Koffein willst, aber ohne den Crash – da ist Matcha schwer zu schlagen.

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