Niche Zero im Test: Die Allround-Mühle für Espresso und Filter

Reviews 9 Min

Niche Zero im ausführlichen Praxistest. Stufenlose 63-mm-Kegelstahlmahlscheiben, Single-Dose-Design und Zero-Retention – was die britische Mühle für rund 600 € wirklich kann.

8,5 / 10 Gesamtbewertung
Mahlqualität 8,5
Einstellbarkeit 9,0
Bedienung 9,0
Verarbeitung 9,0
Preis-Leistung 8,0

Die Niche Zero hat seit ihrem Kickstarter-Debüt 2018 eine regelrechte Fangemeinde aufgebaut. Das Versprechen: eine einzige Mühle für Espresso und Filter, die praktisch keine Retention hat. Nach über einem Jahr im täglichen Einsatz ziehen wir Bilanz — und vergleichen mit den wichtigsten Alternativen am Markt.

Für wen ist die Niche Zero?

Du trinkst morgens Espresso und nachmittags Pour-Over? Du willst nicht zwei Mühlen in der Küche stehen haben? Genau für diesen Use Case wurde die Niche Zero entwickelt. Sie richtet sich an Heimbaristas, die eine einzige Mühle für alle Zubereitungsmethoden suchen — und dabei keine Kompromisse bei der Mahlqualität eingehen wollen.

Mit einem Straßenpreis von ca. 600 € positioniert sie sich im gehobenen Heimsegment, deutlich über der Eureka Mignon Specialita* (370 €) und knapp unter der Eureka Mignon Libra* (650 €) mit integrierter Waage.

Steckbrief

Eigenschaft Wert
Hersteller Niche Coffee, UK
Mahlwerk 63-mm-Kegelstahlmahlscheiben (Mazzer-kompatibel)
Drehzahl ca. 330 U/min
Retention < 0,1 g (Herstellerangabe)
Einstellung Stufenlos, markierte Skala 0–50
Mahlzeit ca. 12–15 s für 18 g espressofein
Gewicht 8 kg
Maße 12 × 11 × 32 cm (B × T × H)
Motor Brushless DC
Preis ca. 600 €

Design & Verarbeitung

Die Niche ist überraschend kompakt — kleiner als die meisten Flat-Burr-Mühlen und trotzdem schwer genug, um absolut stabil zu stehen. Das Gehäuse besteht aus pulverbeschichtetem Aluminium, erhältlich in Schwarz oder Weiß. Der Bohnentrichter oben fasst exakt eine Single-Dose-Portion (ca. 20–25 g).

Das Herzstück des Designs: der schwere Edelstahl-Auffangbecher unten, der magnetisch haftet und sich werkzeugfrei abnehmen lässt. Er liegt perfekt in der Hand und lässt sich direkt als Dosierbecher für den Siebträger nutzen.

Die Verarbeitung ist durchweg hochwertig. Keine sichtbaren Spaltmaße, solide Knöpfe, der Ein/Aus-Schalter gibt klares Feedback. Nach über einem Jahr zeigt unser Testgerät keinerlei Gebrauchsspuren am Gehäuse — die Pulverbeschichtung ist robust.

Kritikpunkt: Der Bohnentrichter oben ist aus Kunststoff und wirkt im Kontrast zum sonst durchgehend metallischen Body etwas billig. Funktional ist das irrelevant, optisch fällt es auf.

Technik: Das 63-mm-Kegelmahlwerk

Das Mahlwerk ist ein 63-mm-Kegelmahlwerk aus gehärtetem Stahl — kompatibel mit Mazzer-Geometrien, was Aftermarket-Upgrades (z. B. SSP Burrs) ermöglicht. Die Drehzahl liegt bei moderaten 330 U/min: langsam genug für schonende Zerkleinerung, schnell genug für einen zügigen Workflow.

Stufenlose Einstellung

Der obere Ring ist das Einstellelement — stufenlos von 0 (geschlossen) bis 50 (extrem grob). Die Skala ist gut ablesbar und erlaubt reproduzierbare Settings. Im Espresso-Bereich liegt man typischerweise bei 10–20, für Filter bei 35–45.

Praxistipp: Markiere dein Espresso- und dein Filter-Setting mit einem feinen Stift auf der Skala. So wechselst du in unter 5 Sekunden zwischen beiden Welten.

Zero Retention — wirklich Null?

Das namensgebende Feature: dank vertikaler Mahlkammer und Schwerkraft bleibt kaum Kaffeemehl zurück. In unserer Messung: 0,02–0,08 g Retention pro Mahlvorgang. Das ist de facto Null — du brauchst weder Nachmahlen noch Purgen. Jede Dosis, die du oben reingibst, kommt unten raus.

Das macht die Niche zum idealen Single-Dose-Grinder: du wiegst ab, mahlst, alles ist im Becher. Kein Restbestand von gestern, kein Exchange-Grinding.

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Praxis-Test: Espresso

Die Partikelverteilung des 63-mm-Kegelmahlwerks ist für einen konischen Mahlsatz ausgezeichnet. Die Verteilung ist tendenziell bimodal (typisch für konische Mahlwerke), aber deutlich enger als bei günstigeren Kegelmahlwerken.

Geschmacksprofil: Shots schmecken klar, balanciert, mit guter Süße und angenehmer Textur. Helle Röstungen zeigen Frucht und Säure differenziert, dunkle Röstungen sind schokoladig und rund ohne Bitterkeit.

Dialing-In: Dank der stufenlosen Einstellung und null Retention ist das Einschießen unkompliziert. Jeder Shot ist reproduzierbar, weil kein altes Mehl die Konsistenz verfälscht.

Im direkten Vergleich mit einer dedizierten Flat-Burr wie der Eureka Mignon Specialita* fällt auf: Die Eureka liefert ein minimal klareres, unimodaleres Profil. Die Niche kontert mit mehr Body und Süße. Beides sind hervorragende Ergebnisse — der Unterschied ist subtil und Geschmackssache.

Praxis-Test: Filter

Hier spielt die Niche ihre Allround-Stärke aus. Umstellen von Espresso auf Filter dauert buchstäblich 3 Sekunden: Ring drehen, fertig. Keine Bohnenreste aus dem Espresso-Setting verfälschen den nächsten Pour-Over.

In V60, Chemex und AeroPress liefert die Niche hervorragende Ergebnisse. Die Partikelverteilung im Filterbereich ist gleichmäßig, die Extraktion reproduzierbar. Wenn du sowohl Espresso als auch Filter trinkst, sparst du dir mit der Niche eine zweite Mühle — und den Platz auf der Küchenzeile.

Vergleich mit der Konkurrenz

Eigenschaft Niche Zero Eureka Specialita* Comandante C40*
Mahlwerk 63 mm konisch 55 mm flat 39 mm Nitrid-konisch
Retention ~0 g ~1,5 g 0 g
Espresso → Filter Sofort wechselbar Eher Espresso-only Manuell möglich
Bedienung Elektrisch Elektrisch Manuell (Hand)
Preis ~600 € ~370 € ~230 €

Die Eureka Specialita ist die günstigere Alternative — allerdings mit deutlich mehr Retention und weniger Eignung für Filter. Wer ausschließlich Espresso trinkt, bekommt hier ein gutes Flat-Burr-Profil für weniger Geld.

Die Comandante C40* ist die beste Handmühle im Vergleichsfeld — exzellente Mahlqualität, null Retention, aber eben manuell. Für 2–3 Tassen pro Tag okay, für mehr wird's anstrengend.

Workflow im Alltag

Der typische Morgen-Workflow mit der Niche:

  1. 18 g Bohnen abwiegen (mit einer Waage wie der Acaia Pearl*)
  2. In den Trichter geben
  3. Einschalten — 12–15 Sekunden warten
  4. Catch Cup abnehmen, Mehl in den Siebträger geben
  5. Tampen, einspannen, fertig

Gesamtzeit Mahlen: unter 20 Sekunden. Kein Purgen, kein Nachrütteln, kein Bürsten. Das ist der Effizienz-Vorteil von Zero Retention.

Langzeiterfahrung

Nach über einem Jahr mit der Niche im Alltag:

  • Mahlscheiben: Kein merkbarer Verschleiß, Mahlqualität unverändert. Niche gibt 500–700 kg Durchsatz als Lebensdauer an — bei 20 g/Tag dauert das Jahrzehnte.
  • Einstellring: Sitzt nach wie vor fest, kein Spiel, keine Drift.
  • Reinigung: Alle 2–4 Wochen Mahlwerk mit Pinsel reinigen. Durch die geringe Retention sammelt sich wenig an.
  • Geräusch: Moderat. Leiser als eine Eureka, lauter als eine Comandante (die ist lautlos).

Was könnte besser sein?

  • Kein Timer/Waage: Du musst vorher abwiegen. Mühlen wie die Eureka Libra* dosieren automatisch nach Gewicht — Komfortplus.
  • Mahlgeschwindigkeit: 12–15 s für 18 g ist okay, aber nicht schnell. Flat-Burr-Mühlen wie die DF64 schaffen das in 5–8 s.
  • Kunststoff-Trichter: Optischer Mangel, funktional irrelevant.
  • Preis: 600 € ist viel Geld für eine Mühle. Wer nur Espresso trinkt, bekommt mit der Eureka Specialita (~370 €) ein vergleichbares Espresso-Ergebnis.

Fazit

Die Niche Zero ist die beste Allround-Mühle für Heimbaristas, die sowohl Espresso als auch Filter trinken. Zero Retention, schneller Mahlgradwechsel und ausgezeichnete Mahlqualität in beiden Welten rechtfertigen den Preis von 600 €. Die Verarbeitung ist Premium, der Workflow vorbildlich effizient.

Einzig wer ausschließlich Espresso trinkt und das maximale Flat-Burr-Profil will, fährt mit einer dedizierten Flat-Burr (Eureka Specialita/Libra, DF64) besser — und günstiger. Wer dagegen Flexibilität und Einfachheit sucht, bekommt mit der Niche Zero die beste Lösung am Markt.

Empfehlung: Für alle, die eine einzige Mühle für Espresso UND Filter wollen — ohne Kompromisse bei der Mahlqualität.

Vorteile

  • Zero Retention – kein Purgen nötig
  • Sofortiger Wechsel zwischen Espresso und Filter
  • 63-mm-Kegelmahlwerk mit ausgezeichneter Partikelverteilung
  • Kompakt, leise, hochwertig verarbeitet

Nachteile

  • Konisches Profil weniger unimodal als Flat-Burr
  • 600 € ist viel für eine Einsteiger-Mühle
  • Stufenlose Skala ohne Rasterung erfordert Markierungen

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Häufige Fragen

Niche Zero oder DF64 – welche ist besser für Espresso?
Für reinen Espresso liefert die DF64 mit 64-mm-Flat-Burr ein leicht unimodaleres Profil. Die Niche ist besser für den Wechsel zwischen Espresso und Filter dank Zero Retention. Wer beides trinkt: Niche. Wer nur Espresso will: DF64.
Ist die Niche Zero laut?
Nein, die Niche ist mit ~70 dB deutlich leiser als die meisten Flat-Burr-Mühlen (75–80 dB). Durch die niedrige Drehzahl (330 U/min) vibriert sie kaum.
Kann man die Niche Zero mit SSP-Burrs aufrüsten?
Ja, SSP bietet 64-mm-Burrs die in die Niche passen (mit leichtem Shimming). Das ändert das Mahlprofil deutlich in Richtung unimodal – ein beliebtes Upgrade in der Community.

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