
Ab 80 Punkten auf der SCA-Skala gilt Kaffee als Specialty. Was hinter dem Scoring steckt und was das für deinen Einkauf bedeutet.
Die Definition
Specialty Coffee ist Kaffee, der auf der 100-Punkte-Skala der Specialty Coffee Association (SCA) mindestens 80 Punkte erreicht. Bewertet wird ausschließlich Arabica – Robusta hat ein eigenes Bewertungsprotokoll (Fine Robusta), fällt aber nicht unter den traditionellen Specialty-Begriff.
Der Begriff entstand in den 1970ern durch Erna Knutsen, die damit Kaffees beschrieb, die durch besondere klimatische und geologische Bedingungen ein einzigartiges Geschmacksprofil entwickeln.
Wie wird bewertet?
Ein zertifizierter Q-Grader – ein Sensorik-Experte mit mindestens 19 bestandenen Prüfungen – verkostet den Kaffee im standardisierten Cupping-Protokoll und bewertet zehn Attribute:
| Nr. | Attribut | Was bewertet wird |
|---|---|---|
| 1 | Fragrance/Aroma | Duft des trockenen und nassen Kaffeemehls |
| 2 | Flavor | Geschmack beim Schlürfen |
| 3 | Aftertaste | Nachgeschmack: Wie lange und wie angenehm bleibt das Aroma? |
| 4 | Acidity | Säurequalität (nicht Menge) – lebhaft, komplex oder flach? |
| 5 | Body | Mundgefühl und Textur: dünn, seidig, cremig, schwer? |
| 6 | Balance | Zusammenspiel aller Attribute – harmonisch oder dominiert eins? |
| 7 | Uniformity | Gleichmäßigkeit über fünf Tassen |
| 8 | Clean Cup | Fehlerfreiheit – keine off-flavors |
| 9 | Sweetness | Natürliche Süße |
| 10 | Overall | Gesamteindruck des Bewerters |
Jedes Attribut wird auf einer Skala von 6–10 bewertet (in 0,25er-Schritten). Dazu kommen Abzüge für Defekte (z. B. Stinker, Schimmel, Fermentation). Ein einzelner schwerer Defekt kann 4 Punkte kosten.
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Was die Punkte bedeuten
| Punktzahl | Einstufung | Anteil am Weltmarkt |
|---|---|---|
| < 80 | Commodity / Commercial Grade | ~95 % |
| 80–84,99 | Specialty | ~4 % |
| 85–89,99 | Excellent Specialty | < 1 % |
| 90+ | Outstanding / Rare Specialty | < 0,1 % |
Die meisten Specialty-Kaffees im Handel liegen zwischen 82 und 87 Punkten. Ab 90 Punkten spricht man von Raritäten, die bei Auktionen (z. B. Cup of Excellence) Hunderte Euro pro Kilogramm erzielen können.
Was es für dich als Käufer bedeutet
Score als Orientierung, nicht als Dogma
Ein Score auf der Packung ist ein Indikator, aber kein Geschmacksgarant. Ein 90-Punkte-Kaffee mit intensiver Frucht-Säure kann dir weniger gefallen als ein ausgewogener 83er mit Schokoladen-Profil. Dein persönlicher Geschmack entscheidet.
Transparenz als Qualitätszeichen
Achte weniger auf den Score und mehr auf Transparenz: Röster, die Farm, Varietät, Aufbereitung, Anbauhöhe und Erntejahr angeben, arbeiten fast immer im Specialty-Segment. Diese Informationen zeigen, dass der Röster seine Bohnen kennt und bewusst ausgewählt hat.
Frische schlägt Score
Ein 90-Punkte-Kaffee, der drei Monate nach Röstung im Regal steht, schmeckt schlechter als ein frisch gerösteter 83er. Röstdatum beachten: 7–30 Tage ist das ideale Fenster.
Third Wave und Specialty
Specialty Coffee ist eng mit der Third Wave verbunden – der Bewegung, die Kaffee als handwerkliches Genussmittel versteht, nicht als Massenware. Transparente Lieferketten, faire Bezahlung der Farmer und sorgfältige Röstung sind Kernwerte. Nicht jeder Third-Wave-Kaffee ist automatisch Specialty (Score < 80 möglich), aber praktisch alle Specialty-Röster arbeiten nach Third-Wave-Prinzipien.
Der Score sagt dir, ob ein Kaffee handwerklich sauber produziert wurde. Ob er DIR schmeckt, sagt er nicht – dafür hilft nur probieren.
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