Café Crème zubereiten – Schweizer Klassiker mit goldener Crema

Café Crème ist mehr als ein langer Espresso. Mahlgrad, Bohne und Bezug entscheiden, ob das Crema-Reichtum hält.

Café Crème — Zutaten und Zubereitung

Was ist ein Café Crème?

Der Café Crème – auch Schümli, Kaffee Crème oder einfach „Crème" – ist das Schweizer Nationalgetränk in Sachen Kaffee. Er wird mit einem Vollautomaten oder Siebträger zubereitet: Heißes Wasser wird mit hohem Druck durch feiner gemahlenes Kaffeepulver gepresst, aber mit deutlich mehr Wasser als bei einem Espresso. Das Ergebnis ist eine große Tasse (120–150 ml) mit einer goldenen, stabilen Crema oben.

In der Schweiz ist der Café Crème der Standard-Kaffee. Was in Deutschland „ein Kaffee" ist, ist in der Schweiz „ein Crème". Er hat nichts mit Sahne zu tun – der Name bezieht sich auf die Crema, die goldene Schaumschicht.

Café Crème vs. Espresso vs. Filterkaffee

Eigenschaft Café Crème Espresso Filterkaffee
Wassermenge 120–150 ml 25–30 ml 200–300 ml
Druck 9 bar 9 bar keiner (Gravitation)
Mahlgrad mittel-fein fein mittel-grob
Brühdauer 25–30 Sek. 25–30 Sek. 3–5 Min.
Crema ja, golden ja, haselnussbraun nein
Körper mittel stark leicht
Koffein 80–120 mg 60–80 mg 80–120 mg

Der entscheidende Unterschied zum Americano: Beim Café Crème fließt das gesamte Wasser unter Druck durch das Kaffeemehl. Beim Americano wird Espresso mit heißem Wasser verdünnt. Das ergibt einen ganz anderen Geschmack.

Zutaten und Equipment

Zutaten

  • 7–9 g Kaffeepulver (mittelfein gemahlen – zwischen Espresso und Filter)
  • 120–150 ml Wasser (92–96 °C)

Equipment

  • Vollautomat – die häufigste Methode in der Schweiz (Jura, WMF, Melitta)
  • Siebträger – möglich, aber man muss den Mahlgrad und die Durchlaufzeit anpassen
  • Eine große Tasse oder Kaffeebecher (150–200 ml)

Zubereitung mit Vollautomat

Die meisten Vollautomaten haben eine Café-Crème-Taste. Falls nicht:

  1. Mahlgrad auf mittelfein einstellen (feiner als Filterkaffee, gröber als Espresso)
  2. Wassermenge auf 120–150 ml einstellen
  3. Kaffeemenge auf 7–9 g (ein voller Mahlvorgang)
  4. Taste drücken – der Automat erledigt den Rest
  5. Tasse vorwärmen – bei einem heißen Getränk ohne Milch kühlt es schnell ab

Optimierung am Vollautomaten

  • Mahlgrad feiner → mehr Crema, intensiverer Geschmack, aber Vorsicht: zu fein = bitter und überextrahiert
  • Mahlgrad gröber → weniger Crema, wässriger, aber weniger bitter
  • Brühtemperatur erhöhen → mehr Extraktion, mehr Körper
  • Kaffeemenge erhöhen → stärkerer Geschmack, mehr Crema

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Zubereitung mit Siebträger

Ein Café Crème am Siebträger ist ungewöhnlich, aber möglich:

  1. Mahlgrad etwas gröber als für Espresso einstellen
  2. 7–9 g Kaffeemehl in den Siebträger (nicht die Espresso-üblichen 18 g für einen Doppio)
  3. Bezug laufen lassen, bis 120–150 ml in der Tasse sind (ca. 25–30 Sekunden)
  4. Die Crema sollte golden und gleichmäßig sein

Achtung: Der längere Wasserdurchlauf bei gröberem Mahlgrad kann dazu führen, dass der Kaffee überextrahiert und bitter wird. Experimentiere mit dem Mahlgrad.

Die richtige Crema

Die Crema ist das Erkennungszeichen des Café Crème. Sie sollte:

  • Golden bis haselnussbraun sein (nicht zu dunkel, nicht zu hell)
  • 2–3 mm dick – stabil genug, um einen halben Teelöffel Zucker kurz zu tragen
  • Feinporig – keine großen Blasen
  • Gleichmäßig – die gesamte Oberfläche bedeckend

Crema-Probleme lösen

Problem Ursache Lösung
Keine Crema Bohnen zu alt, Mahlgrad zu grob Frische Bohnen, feiner mahlen
Crema zu hell Unterextraktion Feiner mahlen, mehr Kaffeemehl
Crema zu dunkel Überextraktion Gröber mahlen, weniger Kaffeemehl
Crema löst sich schnell auf Tasse zu kalt, Bohnen zu alt Tasse vorwärmen, frische Bohnen
Große Blasen Mahlgrad ungleichmäßig Mahlwerk reinigen oder bessere Mühle

Die richtigen Bohnen

Für einen Café Crème eignen sich:

  • 100 % Arabica oder Blends mit maximal 10 % Robusta
  • Mittlere Röstung (Medium Roast) – helle Röstungen haben zu wenig Crema, dunkle können bitter werden
  • Frisch geröstet – 1–4 Wochen nach Röstdatum ist optimal
  • Schweizer Traditionsröster wie Chicco d'Oro, Turm oder La Semeuse sind auf Café Crème spezialisiert

Variationen

Café Crème mit Rahm

In der Schweiz wird häufig ein Kännchen Rahm (Sahne) dazu serviert. Einen Schuss in den Kaffee geben – das ist die „Crème renversée"-Variante.

Café Crème noisette

Mit einem kleinen Schuss Milch oder Rahm, bis die Farbe haselnussbraun wird. In Frankreich üblich.

Café Crème verlängert

Noch mehr Wasser (180–200 ml). Milder, aber die Crema wird dünner.

Eiskaffee-Crème

Café Crème über Eiswürfel + kalte Milch + Vanilleeis. Die Schweizer Sommer-Variante.

Café Crème in der Schweizer Kultur

In der Schweiz ist der Café Crème mehr als ein Getränk – er ist ein Ritual:

  • Im Büro steht der Vollautomat und liefert Café Crème auf Knopfdruck
  • Im Restaurant ist „en Crème" die Standard-Bestellung
  • Am Sonntagmorgen wird er genüsslich getrunken, oft mit Gipfeli (Croissant)
  • In der Bäckerei kostet er 4–5 CHF und wird in einer großen Tasse serviert

Die Schweizer trinken jährlich über 1.000 Tassen Kaffee pro Kopf – mehr als fast jedes andere Land. Der Großteil davon ist Café Crème.

Tipps für den perfekten Café Crème

  1. Bohnen maximal 4 Wochen alt – die Crema lebt von frischen Bohnen
  2. Tasse vorwärmen – heißes Wasser rein, stehen lassen, ausschütten
  3. Mahlgrad kalibrieren – zu fein = bitter, zu grob = wässrig
  4. Vollautomat regelmäßig reinigen – alte Kaffeeöle machen bitter
  5. Nicht umrühren – die Crema ist Teil des Erlebnisses, lass sie so lange wie möglich

Der Café Crème ist der Schweizer Beweis, dass guter Kaffee weder klein noch kompliziert sein muss.

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Häufige Fragen

Kann man Café Crème auch mit einer Siebträgermaschine machen?
Ja, aber es ist unüblich. Man zieht einen langen Bezug (Lungo-Style) mit mehr Wasser als für Espresso. Alternativ: einen Espresso ziehen und mit heißem Wasser aus der Maschine auffüllen (→ Americano). Der klassische Café Crème ist aber das Standardgetränk des Vollautomaten.
Was ist der Unterschied zwischen Café Crème und Schümli?
Kein Unterschied — 'Schümli' ist die Schweizer Bezeichnung für Café Crème, benannt nach dem Schaum (Schümli = Schäumchen). In der Schweiz ist es DAS Standardkaffegetränk. Der Name kommt vom Berndeutschen.
In welchen Ländern trinkt man Café Crème?
Café Crème ist vor allem in der Schweiz verbreitet, wo er das Standard-Kaffeegetränk in Cafés ist. In Deutschland kennt man ihn auch als Schümli oder als lange Tasse vom Vollautomaten.
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